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Künstliche Intelligenz im Kanalrohr

Wenn in Neumünster große Maschinen aufgefahren werden und kraftstrotzende Bagger eindrucksvoll ihr Können zeigen, dann ist die größte Baumesse Nordeuropas in Gange. Neben Handwerkern, Bauarbeitern und Bauherren waren auch Kanalnetzbetreiber sowie Ingenieure und Dienstleister der Kanalbranche unter den 63.800 Besuchern der 63. Norbau. Seit 2004 ist der Trubel in und um die Holstenhallen der Treffpunkt für die Norddeutschen Kanalsanierungstage. In den 15 Jahren hat sich die 2-tägige Veranstaltung rund um die Entwässerungsnetze auf Nordeuropas Kompaktmesse des Bauens fest etabliert.

Digital und smart in der Unterwelt
Dirk Noack, Geschäftsführer des Kieler Ingenieurbüros IPP, und Christian Schulz, Key Account Manager Kommunale Kooperation bei Hamburg Wasser, griffen mit der Digitalisierung ein Thema auf, das derzeit die Industrie bestimmt. Leitgedanke der Initiatoren war, dass die rasanten Entwicklungen im Bereich der Automatisierung, Datenanalyse und Vernetzung vor den Kanalsystemen nicht halt machen und zukünftig auch diese Arbeitswelt prägen werden. Es ist davon auszugehen, dass neben den Hardware-bezogenen Innovationen zukünftig auch Software-basierte Innovationen die Kanalrohrbranche revolutionieren. Die mit der Digitalisierung verbundenen Chancen und Herausforderungen wurden unter der Moderation von Artur zu Eulenburg, Chefredakteur der Fachzeitschrift B_I umweltbau, auf der Fachtagung in Neumünster diskutiert.

Den digitalen Wandel gestalten
Nicht nur Handys werden dank KI-Chips immer „schlauer“. Arno Jugel, Software-Vertriebsleiter der IBAK Helmut Hunger GmbH & Co. KG, nahm das allgegenwärtige Smartphone als Beispiel und griff sich die Gesichtserkennung als Feature heraus, das durch Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht wird: „Wenn unsere Handys Gesichter identifizieren können, dann lassen wir doch unsere Inspektionskamera-Software Schäden erkennen.“
Jugel wies darauf hin, dass man anstelle von „KI“ treffender von „maschinellem Lernen“ sprechen müsse, denn die Computer würden nicht plötzlich auf wundersame Weise schlau. Als Input für eine auf KI basierende Software dienen zahllose Aufnahmen und die dazugehörigen Schadenskürzel. So lernt das Programm wie Risse, Wurzeleinwüchse und weitere Schadensbilder aussehen und wie sie klassifiziert werden. Wird der KI-Software dann ein neuer Film vorgelegt, kann sie diesen nach dem gelernten Muster analysieren. „Dafür liefert die PANORAMO optimale Bilddaten, weil mit diesen eine 100% vollständige Erfassung der Rohrinnenansicht vorliegt“, beschrieb Jugel. Bereits seit mehr als 15 Jahren ist IBAK mit der weltweit einzigartigen 360°-Kamera-Technologie im Bereich der Kanalrohrinspektion führend. Die hocheffiziente Scanner-Technologie mit extremen Weitwinkelbrennweiten ermöglicht eine lückenlose Aufzeichnung der gesamten Rohrinnenansicht. Im „Training“ mit den seit 2002 zahlreichen erfassten PANORAMO-Daten lernt das KI-Programm dazu und verbessert seine Fähigkeit, Schadensbilder zu unterscheiden. Ziel sei es, den Inspekteur bei der Erfassung von Inspektionsdaten durch eine automatische Zustandserkennung von Standardvorkommnissen zu entlasten. Im ersten Schritt sollen die häufigsten Ereignisse in einer Haltung wie z.B. Zuläufe, Wurzeln oder Risse automatisch erkannt werden. Das Ergebnis der automatischen Erkennung wird durch den Inspekteur verifiziert und konkretisiert. „Durch diese Unterstützung bei Routine-Auswertungen kann der Inspekteur Schadensanalysen zielgerichteter durchführen. Für seine Arbeit ergibt sich eine enorme Zeitersparnis bei sehr hoher Ergebnisqualität“, schloss Jugel seine Ausführungen.

Unterm Strich
Was die Teilnehmer aus Neumünster als Erkenntnis mitgenommen haben, ist sicherlich, dass sich die Akteure der Kanalrohrbranche in einem Prozess der Neuorientierung befinden. Sie erheben digitale Daten in zunehmenden Mengen und aus verschiedensten Quellen, verarbeiten diese und integrieren sie in unterschiedliche Anwendungen. Digitale Trends wie Cloud, Big Data und Smart Devices werden die Arbeitsweise von Netzbetreibern, Ingenieurbüros und Dienstleistern nachhaltig und tiefgehend verändern. Mitarbeiter, Kunden und Partner sind zukünftig auf ganz neue Art in die Geschäfts- und Verwaltungsprozesse einzubinden. Innovative Software-Lösungen, die auf modernste Technologien aufsetzen, nehmen Einzug in der Kanalrohrbranche und werden die Arbeitsweise dort revolutionieren. Wer sich frühzeitig mit diesen Entwicklungen auseinandersetzt, wird die bevorstehenden Herausforderungen bewältigen und sich das enorme Potential erschließen.
Der richtungsweisende Inhalt der Fachtagung hätte noch mehr Publikum verdient, denn Vieles was in Neumünster auf der Agenda stand, wird die Branche nachhaltig bewegen.