Elektrisches oder pneumatisches Frässystem?

Warum Boger in der Hauptkanalsanierung auf beide Lösungen setzt.

In der grabenlosen Hauptkanalsanierung gibt es selten pauschale Antworten. Verschiedene Rohrdimensionen, Reichweitenanforderungen, vielfältige Aufgabenstellungen und individuelle Baustellenbedingungen verlangen nach flexiblen technischen Konzepten.

Die Boger Kanalsanierung GmbH ist eines der ersten Unternehmen, das sowohl den elektrisch angetriebenen MicroGator als auch den pneumatisch betriebenen MicroGator Air von IBAK einsetzt. Der Erfahrungsbericht legt dar, warum diese Entscheidung keine Entweder-oder-Frage ist, wie sich beide Systeme im Praxisalltag des Familienunternehmens ergänzen und welchen Mehrwert die Kombination aus Fräsen und Inspektion bringt.

Vom Bau zur Kanalsanierung

Die Wurzeln des Familienunternehmens reichen bis ins Jahr 1930 zurück. Gegründet wurde die damalige Bauunternehmung von Wolfgang Boger, dem Vater und Großvater der heutigen Geschäftsführerinnen. 1998 investierte er in den ersten Kanalroboter und setze damit einen entscheidenden Schritt in Richtung Spezialisierung.

Seine Tochter Deborah Boger gründete 2001 die Boger Kanalsanierung GmbH (Boger) und schuf damit die Grundlage für das heutige Profil des Unternehmens. Seither hat sich der Betrieb konsequent auf die grabenlose Kanalsanierung- und Reinigung ausgerichtet und seine technische Expertise kontinuierlich ausgebaut.

Der Unternehmenssitz befindet sich in Wurmberg, von wo aus Projekte in einem regionalen Einsatzradius von etwa 100 Kilometern realisiert werden. Mit einem Kundenstamm, der zu rund 95 Prozent aus Bestandskunden besteht, steht Boger für kontinuierliche Zusammenarbeit, hohe Kundenzufriedenheit und eine verlässliche Ausführung.

Heute wird das Unternehmen in dritter Generation geführt. Seit 2024 liegt die kaufmännische und technische Leitung in den Händen von Marie Noller. Unterstützt wird sie von einem rund 20-köpfigen Team, das überwiegend langjährig im Unternehmen tätig ist. Auch ihre Schwester Theres Noller gehört zum Unternehmen und verantwortet den Bereich Buchhaltung. Boger ist bekannt für einen langjährigen Mitarbeiterstamm und Familienzusammenhalt. Von Anfang an dabei sind auch die beiden Onkel von Noller, Ivica Crnkovic und Christian Boger.

Frauen im Handwerk: gelebte Realität

Deborah Boger brachte seinerzeit eine außergewöhnliche Kombination aus handwerklicher Praxis und akademischer Qualifikation mit: Als gelernte Maurerin schloss sie ihre Ausbildung als Jahrgangsbeste ab und studierte anschließend Bauingenieurwesen. Dass ihr Gesellenbrief ursprünglich auf „Herr Deborah Boger“ ausgestellt war, weil Frauen in diesem Beruf damals noch eine Ausnahme darstellten, ist heute eine Anekdote und zugleich ein Hinweis darauf, wie sehr sich das Handwerk verändert hat.

Fast 50 Prozent der Belegschaft ist weiblich. Fünf Frauen arbeiten im Büro, drei weitere in der Ausführung mit den Sanierungsanlagen. Der Weg von Marie Noller selbst in das Unternehmen war keineswegs von Anfang an vorgezeichnet. Nach ihrem Studium des Wirtschaftsrechts stieg sie 2019 zunächst eher ungeplant in den Betrieb ein, um ihre Mutter kurzfristig zu unterstützen. Doch aus dem Mithelfen wurde Verantwortung. 2021 absolvierte sie die Weiterbildung zur zertifizierten Kanalsanierungsberaterin und wuchs im selben Jahr, auch geprägt durch den Verlust ihres Großvaters Wolfgang Boger, Schritt für Schritt in die Geschäftsleitung hinein, getragen vom Vertrauen der Familie und der Belegschaft.

„Wir versuchen, mehr Sichtbarkeit für Frauen im Handwerk zu schaffen“, sagt Marie Noller. 2026 wird das Unternehmen an der Kampagne Frauen im Handwerk teilnehmen. Nina Crnkovic unterstreicht diesen Ansatz als jüngstes Teammitglied. Sie wird gegenwärtig von ihrem Vater, Ivica Crnkovic, angelernt, der seit 1998 fräst. Er arbeitet auf der neuen Anlage mit dem Fräsroboter MicroGator Air.

Pneumatisches Fräsen: Reichweite und Vielseitigkeit

Für Einsätze, in denen große Reichweite erforderlich ist, setzt Boger auf den pneumatisch betriebenen MicroGator Air. Das System ist im gelinerten Hauptkanal ab DN 200 einsetzbar und erreicht Arbeitsreichweiten von bis zu 300 Metern.

Ivica Crnkovic beschreibt die Anlage als „mobiles Einsatzkommando und echten Allrounder“, mit dem sich Inspektions- und Sanierungsaufgaben gleichermaßen kostengünstig, effizient und ganzheitlich durchführen lassen. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Kombination von Fräs- und Inspektionstechnik auf einer Anlage. Dadurch können Vorbefahrungen, begleitende Inspektionen und Abnahmebefahrungen ohne den Einsatz eines zusätzlichen Inspektionsfahrzeugs durchgeführt werden, was sowohl Zeit als auch Kosten spart.

Die Bandbreite der Anwendungen ist entsprechend groß und reicht von der Installation von Edelstahlmanschetten wie Quicklock über Deformationsmessungen, beispielsweise zur Konfektionierung von Schlauchlinern, bis hin zu umfassenden Inspektionen im Vorfeld und im Nachgang von Sanierungsmaßnahmen. „Wir können mit einem System mehrere Arbeitsschritte abdecken und bleiben dabei flexibel im Einsatz“, erläutert Crnkovic.

Kombination von Fräsen und Inspektion

In der täglichen Praxis zeigt sich der Nutzen des kombinierten Systems besonders deutlich. Wurzeleinwüchse, einragende Stutzen oder Ablagerungen können die Fortführung einer Inspektion jederzeit verhindern. Während reine Inspektionsfahrzeuge in solchen Fällen oft abbrechen müssen, kann bei Boger unmittelbar reagiert werden: Hindernisse werden direkt beseitigt, anschließend wird die Inspektion fortgeführt. Das reduziert Stillstände, spart Zeit und macht unabhängig von Dritten.

Da Boger von vielen Auftraggebern mit der Durchführung der eigenen Abnahme betraut wird, was nicht selbstverständlich ist, spielt die eigene Inspektionskompetenz eine zentrale Rolle. Die Kombination aus Inspektion, Messen und Fräsen sorgt für eine durchgängige Qualitätssicherung.

Elektrisches Fräsen mit hoher Effizienz

Der elektrisch angetriebene Fräsroboter MicroGator kommt bei Boger insbesondere dort zum Einsatz, wo strukturierte Sanierungsabläufe, geringe Geräuschemissionen und hohe Energieeffizienz gefragt sind. Manuel Weiß arbeitet seit 2022 mit dem MicroGator und hat seit 2002 Erfahrung im Fräsbereich. Unterstützt wird er von Ronja Hanus als zweite Fachkraft auf der Anlage.

Das System kann im relinierten Hauptkanal bereits ab DN 150 eingesetzt werden und erreicht eine Arbeitsreichweite von bis zu 150 Metern. Gerade bei nächtlichen Arbeiten, etwa beim Öffnen von Zuläufen nach dem Einzug von Schlauchlinern, erweist sich die geringe Geräuschentwicklung als klarer Vorteil.

Technisch schätzt Manuel Weiß insbesondere die Frontkamera mit freier Sicht beim Fräsen. Diese ermöglicht präzises Arbeiten, etwa bei vorbereitenden Fräsungen oder beim Öffnen von Hausanschlüssen.

Entscheidung für zwei Frässysteme: Praxis statt Dogma

Die Entscheidung, sowohl einen elektrisch als auch einen pneumatisch angetriebenen Fräsroboter einzusetzen, ist bei Boger das Ergebnis praktischer Erfahrungen aus unterschiedlichsten Projekten. „Beide Anlagen haben ihre Berechtigung und genau diese Wahlfreiheit wollten wir haben“, erklärt Marie Noller.

Je nach Baustellensituation und Aufgabenstellung spielen beide Systeme ihre jeweiligen Vorteile aus. Auf diese Weise kann das Unternehmen für jede Maßnahme die passende technische Lösung auswählen und flexibel auf projektspezifische Anforderungen reagieren.

„Entscheidend ist nicht, welches System grundsätzlich überlegen ist, sondern welches unter den jeweiligen Bedingungen die beste Leistung erbringt“, führt sie weiter aus. Dieser praxisorientierte Ansatz ermöglicht es, wirtschaftliche Effizienz mit technischer Präzision zu verbinden und sämtliche Aufträge unabhängig von Subunternehmern ausführen zu können.

Ultra-Hochdruck-Wasserstrahltechnik für maximale Effizienz

Großflächige Ablagerungen lassen sich mit der optionalen Ultra-Höchstdruck-Wasserstrahltechnik effizient und materialschonend entfernen. Die sogenannte UHP-Technik kann sowohl mit der pneumatischen als auch mit der elektrischen Anlage betrieben werden. „Die Kompatibilität beider Anlagen mit der UHP-Technologie eröffnet uns zusätzliche Einsatzmöglichkeiten, insbesondere bei anspruchsvollen Reinigungs- und Fräsarbeiten“, erklärt Marie Noller. In der Praxis zeigt sich der deutliche Effizienzgewinn vor allem bei zeitintensiven Aufgaben.

Ein konkretes Beispiel aus dem Arbeitsalltag unterstreicht diesen Vorteil: Beim Herausfräsen von Kalkablagerungen in der ganzen Haltung konnte die Maßnahme mithilfe der Wasserstrahltechnik in nur wenigen Stunden abgeschlossen werden. „Das war in drei Stunden erledigt, was sonst drei Tage gedauert hätte“, berichtet Manuel Weiß.

Einheitliche Systemlogik als Grundlage für Teamarbeit

Trotz unterschiedlicher Antriebskonzepte sind die eingesetzten Frässysteme bewusst auf eine einheitliche Bedienlogik ausgelegt und unterstützen damit eine flexible, teamorientierte Arbeitsweise. „Hier gehen Elektro und Pneumatik Hand in Hand“, beschreibt das Team den Ansatz und betont, dass die Systeme bewusst nicht als konkurrierende, sondern als sich ergänzende Technologien verstanden werden. Eine identische Softwarebasis, vergleichbare Bedienoberflächen sowie austauschbare Komponenten wie Radsätze sorgen dafür, dass mehrere Mitarbeitende problemlos auf beiden Anlagen eingesetzt werden können. „Von der Bedienung her fühlt sich das System sehr vertraut an“, erklärt Ivica Crnkovic. „Wenn man die eine Anlage kennt, kommt man auch mit der anderen zurecht.“

Diese Standardisierung bringt klare Vorteile im Arbeitsalltag. Die Technik wird dabei gezielt als Teamlösung verstanden und Wissen aktiv weitergegeben. Erfahrene Fachkräfte geben ihre Expertise an jüngere Kolleginnen und Kollegen weiter. Ein Beispiel dafür ist Nina Crnkovic, die sich in kurzer Zeit in die Bedienung der neuen Anlage eingearbeitet hat. Auf diese Weise entsteht ein breites Kompetenzniveau im Boger-Team, bei dem die Technik nicht an Einzelpersonen gebunden ist, sondern als gemeinsames Werkzeug genutzt wird.

Eigenleistung als strategischer Erfolgsfaktor

Ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie von Boger ist die konsequente Umsetzung sämtlicher gängiger Sanierungsverfahren mit eigenen Fahrzeugen und eigenem Personal. Auf den Einsatz von Subunternehmern wird dabei für gewöhnlich verzichtet. „Wir haben über viele Jahre gezeigt, dass wir größtenteils ohne Subunternehmer auskommen“, betont Marie Noller. Diese Entscheidung zahlt sich sowohl wirtschaftlich als auch organisatorisch aus und stärkt insbesondere die Reaktionsfähigkeit im operativen Geschäft. „Uns ist wichtig, dass wir vor Ort jederzeit reagieren können, ohne zusätzliche Fahrzeuge oder externe Dienstleister einplanen zu müssen“, so Noller weiter.

Abstimmungen mit externen Partnern entfallen, wodurch Prozesse schlanker und effizienter werden. „Wir müssen keine Schnittstellen koordinieren und sind dadurch deutlich schneller und flexibler“, erklärt Noller. Gerade bei kurzfristigen Einsätzen oder unerwarteten Situationen auf der Baustelle erweist sich dieser Ansatz als entscheidender Vorteil. „Wenn es einmal eilig ist, können wir sofort reagieren und unterstützen“, ergänzt sie. Die konsequente Eigenleistung schafft damit nicht nur Planungssicherheit, sondern stärkt auch die Qualität und Verlässlichkeit in der Projektausführung.

Zukunft auf solidem Fundament

2026 feiert die Boger Kanalsanierung GmbH ihr 25-jähriges Bestehen. Das Lebenswerk von Wolfgang Boger wirkt bis heute nach, nicht als starres Erbe, sondern als Fundament, auf dem Neues entstehen kann. „Wir profitieren heute von Entscheidungen, die vor Jahrzehnten getroffen wurden und tragen gleichzeitig Verantwortung dafür, wie es weitergeht“, beschreibt Marie Noller die Verbindung aus Tradition und Zukunftsorientierung. Sie verfolgt einen klaren Anspruch: „Ich wollte nicht, dass der Eindruck entsteht, ich habe den Job als Tochter einfach bekommen. Ich wollte ihn mir verdienen.“, so die 30-Jährige.

Ihr Führungsstil ist geprägt von Ruhe, Klarheit und Loyalität. Intern wird sie als wertschätzend und respektvoll beschrieben, zugleich tritt sie nach außen entschlossen auf. Den häufigen Vergleich mit ihrem Großvater versteht sie als Anerkennung, geht jedoch bewusst ihren eigenen Weg. Werte wie Verlässlichkeit, Fairness und Zusammenhalt prägen weiterhin die Unternehmenskultur. „Wir sind wie eine große Familie“, bestätigt auch Mitarbeiterin Anja Reichert.

Boger ist technisch hervorragend aufgestellt, wirtschaftlich stabil und kulturell fest verankert. Die beiden Frässysteme MicroGator und MicroGator Air bilden eine zentrale Arbeitsgrundlage im Unternehmen. Gemeinsam ermöglichen sie ein breites Anwendungsspektrum in der modernen Kanalsanierung. Damit wird deutlich: Die Frage nach dem „richtigen“ Frässystem lässt sich nicht pauschal beantworten, wohl aber durch praxisnahe Entscheidungen im Sinne des jeweiligen Auftrages.